Das Ende einer langen Reise

Zurück in Seoul haben wir noch weitere Interviewtermine und fahren mit unseren Freunden für zwei Tage nach Seokcho an die Ostküste. Es regnet zwar oft, doch in unserem Ferienresort samt angeschlossener Wasserwelt wird uns nicht langweilig. Am Abend gibt es Pokerrunden wo ich einmal alle abzocke und am nächsten Tag zirka fünftausend verliere. Koreanische Won, gottseidank, nicht Euro. Die zirka vier Euro kann ich verschmerzen, umso mehr als wir überall eingeladen werden.

Zurück in Seoul erholen wir uns noch einige Tage, bevor wir zu unserem großen Tag ins Parlament aufbrechen. Im Büro von Abgeordnetem Lee Dong-Sup erhalten wir eine wertvolle Kalligraphie bevor wir zur Vorführung des Parlaments-Demoteams gehen. Ja – es gibt einen Taekwondo-Verband der Abgeordneten mit separatem Demoteam und eigener Trainingshalle im koreanischen Parlament. Mehr als hundert Abgeordnete sind dort Mitglieder.

Nach der Vorführung fahren wir noch ein paar Runden mit der BMW vor dem Parlament, der Abgeordnete sitzt auf dem Rücksitz und schwingt fröhlich die Fahne des Taekwondo-Verbandes. Er weiß, dass er gefilmt wird und eine tolle PR im Fernsehen bekommt. Hier gibt’s noch einen Link zum TV-Bericht im Parlament.

Wir sind spät dran und müssen noch am selben Abend die BMW nach Incheon zur Frachtfirma bringen, damit sie für den Transport nach Wien eingepackt wird. Natürlich komme ich in den abendlichen Stoßverkehr. Ich kann mit dem Motorrad keine Autobahnen fahren und verfahre mich außerdem mehrmals, bevor ich endlich auf der richtigen Brücke über den Han-Fluss bin. Danach stauen wir uns endlos nach Incheon und nach ein paar Umwegen kommen wir endlich um neun Uhr abends bei der Frachtfirma an. Die haben freundlicherweise auf uns gewartet und wir verabschieden uns von unserem treuen Motorrad, bevor wir mit dem Taxi nach Ilsan zurückfahren. Voraussichtlich im November sehen wir uns in Wien wieder.

Am nächsten Vormittag bringen uns unsere Freunde mit dem Auto zum Flughafen und wir verabschieden uns herzlich. Vor uns liegen neun Stunden Flug nach Moskau und dann zweieinhalb Stunden nach Wien. Eine lange und unvergessliche Reise ist zu Ende.

P.S.: Es wird ein Reisebuch mit vielen Fotos und zusätzlichem Text geben. Wer sich dafür interessiert kann sich unter office@mudokwan.at anmelden oder die Infoseite im Menu dieses Blogs aufrufen. Danke für’s Lesen und mitfiebern und die aufmunternden Kommentare während unserer Reise!

Grosser Bahnhof im Kukkiwon

Auf dem Weg ins Kukkiwon haben wir noch eine Einladung zum Mittagessen von einer koreanischen News-Agentur, die auch gleich noch ein Interview macht. Nach dem Essen begleiten sie uns zum Kukkiwon und dokumentieren unsere gloriose Fahrt durch das Kukkiwon-Tor und dann den Besuch beim Praesidenten. Der Empfang vor dem Eingang ist grandios.

General Manager Ko Kwang Mun und Section Chief Park Chulwon begruessen uns und wir muessen fuer die Kamera die Ankunft nochmals wiederholen. Dann geht es ins Praesidentenbuero wo Kukkiwon-Praesident Oh Hyundeuk schon wartet. Ich habe ihn schon vorher mehrmals getroffen aber diesmal ist auch er beeindruckt von unserer Reise. Wir bekommen ein Geschenk und es werden offizielle Fotos gemacht. Der Praesident laesst es sich nicht nehmen, uns auch nochmals zu einem Mittagessen einzuladen, das wir dann in ein paar Tagen vereinbaren werden.

Anschliessend treffen wir noch das Kukkiwon Demoteam, das gerade wieder fuer eine Vorfuehrung uebt. Grossmeister Mosch wird als Vorbild fuer den unbezwinglichen Willen des Taekwondo dargestellt und befluegelt die Mitglieder des Demoteams durch seinen Haendedruck zu unvorstellbaren Hoechstleistungen.

Danach verlassen wir das Kukkiwon um uns auf den Weg nach Iksan zu Machen, wo wir unsere Familie aus Mangyeong treffen werden: You Songs drei Schwestern und eine Nichte und ein Neffe samt Gattin. Leider kommen wir unterwegs in ein starkes Gewitter und so bleiben wir ueber Nacht in einem guten Hotel in Cheonan.

Wir treffen auch noch You Songs Literaturlehrer aus Wien, der mittlerweile wieder in Korea lebt. Am naechsten Tag brechen wir auf nach Jeonju wo wir in einem Restaurant unser Familientreffen haben.

Am Abend uebernachten wir bei der Freundin von You Song in Iksan, wo wir auch wieder ihren Sohn Ijung sehen, der einigen unserer Taekwondo-Schueler aus seiner Zeit als Taekwondo-Trainer in Wien in Erinnerung sein duerfte. Natuerlich gibt es auch dort wieder die ueblichen voll gedeckten Tische.

Am naechsten Tag machen wir uns dann bei strahlendem Sonnenschein auf den Rueckweg nach Seoul. Natuerlich wieder auf Bundesstrassen, was aber ohnehin viel interessanter ist als auf der ueberfuellten Autobahn zu fahren.

Wiedersehen macht Freude

Heute ist der große Tag. Die BMW ist angekommen und wartet sehnsüchtig auf ihren Fahrer. Umgekehrt auch. Davor aber haben die Götter den koreanischen Zoll gesetzt. Und der ist nicht von Pappe. Ein neues Gesetz legt seit Juni fest, dass man als Ausländer in Korea mit dem eigenen Fahrzeug eine begrenzte Zeit lang fahren darf, ohne umständlich und teuer verzollen zu müssen. Gottseidank ist schon Juli. Aber der Papierkram ist abenteuerlich. Wenn man die Japaner die Preußen Asiens nennt dann schlagen die Koreaner die Japaner um Längen.

Zuerst brauche ich eine Versicherung. Geht klar, die war auch in den anderen Ländern wo wir durchgefahren sind notwendig. Ein Formular an der Grenze ausfüllen, die Prämie zahlen (die war manchmal ganz schön happig) und basta. Die erste und die zweite koreanische Versicherung lehnen dankend ab. Die dritte ebenso. Das Risiko, dass es eine Langnase mit dem Motorrad auf die Pappn haut und eine Lawine von Schadenersatzforderungen auf sie zu kommt ist ihnen zu groß. Bei der letzten arbeitet ein Bekannter meines koreanischen Freundes und der ist ihm einen Gefallen schuldig. Die koreanischen Umgangsformen lassen es nicht zu, dass er meinen Antrag ablehnt, also bewilligt er meine Versicherung. Anschließend geht er zuerst in einen Tempel um die Götter für mich gnädig zu stimmen und dann in eine Bar um sich zu betrinken.

Die erste Hürde ist genommen, doch es folgen noch viele weitere. Ohne meinen koreanischen Freund (er war Dekan an einer Wirtschaftsuniversität) hätte ich keine Chance gehabt. Den ganzen Vormittag über lädt er sich Gesetzestexte und Formulare auf seinen PC und druckt sie aus. Dann telefoniert er mit der Frachtfirma, dem Ministerium, dem Zollamt, mit Gott und der Welt, bis er endlich alles zusammen hat was wir brauchen. Beim Zoll erwischt er eine nette Beamtin, die wie meine Tochter heißt: Sora. Sie sagt uns zu, sich um alles zu kümmern, und so fahren wir los.

Als wir im Hauptgebäude des Zolls ankommen ist gerade Mittagspause. Koreaner haben immer Hunger, also gehen wir in die Kantine im fünften Stock. Die Leiterin erkundigt sich fürsorglich ob der Ausländer – ich – auch das koreanische Essen verträgt, und schon stehen wir in der Schlange zur Essensausgabe. Ich habe ein mulmiges Gefühl. Ich bin von hundert Zollbeamten in Uniform umgeben. Ich denke daran, wie ich vor vielen Jahren immer nach München Einkaufen gefahren bin und dann Husch über die Grenze nach Österreich ohne zu verzollen. Sollte mich das Schicksal jetzt ereilen?

Keine Spur, die Zollbeamten und -innen (es gibt relativ viele Mädels dabei) sind in ihr Essen vertieft und ahnen nicht welcher Schmuggler hier bei ihnen sitzt. Als alle satt sind besuchen wir Sora. Natürlich fehlen noch irgendwelche Kopien, die wir aber rasch besorgen. Sora muss das Motorrad besichtigen und fragt, wo es ist. Das wissen wir nicht, denn auf den vielen Papieren die ich bekommen habe steht es nicht drauf. Der Zollhafen von Incheon ist groß und daher telefonieren wir mit der Frachtfirma. Die sitzt in Busan, vierhundert Kilometer südlich, und weiß es auch nicht. Sie will sich aber erkundigen. Also warten wir im Erdgeschoss, wo gerade die Wiederholung eines WM-Fussballspiels von gestern auf dem Fernseher läuft. Ein paar Beamte haben scheinbar nichts zu tun, denn sie sitzen entspannt vor uns. Als England dann auch in der Wiederholung gewonnen hat kommt der Rückruf der Frachtfirma. Hurra, sie haben das Motorrad gefunden und fragen beiläufig ob wir ihre Rechnung schon bezahlt haben. Natürlich nicht, denn normalerweise erledige ich das bar, wenn ich Sachen vom Zoll abhole. Geht hier aber nicht, sondern muss von einem koreanischen Bankkonto einbezahlt werden. Ich habe kein koreanisches Bankkonto, deshalb springt mein Freund ein und überweist von dem Automaten, der praktischerweise gleich daneben steht. Kurze Zeit später hat die Frachtfirma die Bestätigung zum Zoll gefaxt und der behördlichen Besichtigung steht nicht mehr im Wege.

Gemeinsam mit Sora und einem anderen Zollbeamten fahren wir zur Spedition etwa drei Kilometer weiter – und da steht sie: unsere BMW in ihrer Kiste.

Wir packen sie aus und Sora untersucht strengen Blickes alle Taschen und die Seitenkoffer. Mit flinken Fingern lasse ich mein Spyderco Police Messer in meiner Hosentasche verschwinden bevor Sora es erblickt, denn ich habe im Zollformular angegeben keine Waffen oder Messer nach Korea einzuführen. Dann sind wir fertig. Fast. Mein Freund fährt noch mit Sora zurück zum Zollamt, wo er eine Stunde lang zwischen mehreren Büros und Gebäuden hin und herpendelt. Was er dort gemacht hat will ich gar nicht so genau wissen. Wir warten. Die BMW ist gleich angesprungen und steht noch auf der Palette. Dann kommt mein Freund zurück und wir wollen los. Halt! Zuerst die Lagergebühr bei der Spedition bezahlen inklusive Entsorgungsgebühr für die Verpackung aus China. Die darf nämlich nicht wiederverwendet werden, damit sich keine bösen chinesischen Würmer in Korea ansiedeln. Die bösen chinesischen Würmer die schon in den letzten drei Tagen aus dem Holz ins Lager gekrochen sind haben Glück gehabt.

Dann ist es soweit. Unglaublicherweise haben wir alle Formalitäten an einem Tag erledigt (danke, Oh Woo!) und wir machen uns auf zwei Rädern auf die Rückfahrt nach Ilsan, einem Vorort von Seoul, wo wir bei unseren Freunden wohnen. Das dauert etwas länger, denn in Korea dürfen Motorräder nicht auf Autobahnen oder Schnellstraßen fahren und so weist uns das Navi den Weg durch den Stadtverkehr. In den nächsten Tagen werden wir nach Jeonju und Iksan fahren um Freunde und Familie zu besuchen. Zuvor geht es aber noch ins Kukkiwon, das Taekwondo-Hauptquartier, um unsere lange Reise offiziell abzuschließen.

Sightseeing Modus Reloaded

Nach einigen Terminen in Seoul (geschäftlich und privat) fahren wir mit dem KTX-Schnellzug nach Busan. Die etwa vierhundert Kilometer werden in zweieinhalb Stunden aufgesaugt und wir werden von Taekwondo-Meister Choi und seinen Kollegen vom Bahnhof abgeholt. Es beginnt gerade die Regenzeit und demzufolge regnet es. Wenn ich sage es regnet, dann meine ich: es schüttet. Wie aus Schaffeln. Ununterbrochen. Seit Stunden. Gottseidank gibt es Regenschirme, und davon haben die Koreaner eine ganze Menge mitgebracht. Also Husch ins Auto und ab in die Lotteria in der Nähe der Taekwondo-Schule. Das ist kein unanständiges Etablissement, sondern einfach eine weitere Fast Food Imbisskettenbude wo die Taekwondo-Schüler von Meister Choi warten, die vor ein paar Monaten in Wien waren.

Große Begrüßung und ein paar Fotos, dann fahren wir in ein typisches koreanisches Restaurant, wo wir ein köstliches Abendessen vom Holzkohlengrill bekommen. Anschließend geht es nach Haeundae, dem berühmten Badestrand von Busan.

Schwimmen brauchen wir zwar nicht gehen, weil das Wasser kommt immer noch von oben, aber der Schokomagen ist noch leer, deshalb gibt es Nachtisch in einem Cafe am Strand. Wir plaudern noch eine ganze Weile und fahren dann über die beleuchtete Hafenbrücke zu unserem Hotel. Dabei bewundern wir Busan bei Nacht.

Morgen treffen wir dann Professor Park, den Handakupunktur-Spezialisten, bevor wir am Nachmittag nach Seoul zurückfahren. Am Abend gibt es dann noch ein Familientreffen in Bucheon, einem Außenbezirk von Seoul.

Korea – am Ziel

Am 23. Juni kommen wir nach 84 Tagen Fahrt an unserem Ziel in Seoul an. Wir sind damit ziemlich genau im Plan, den ich vor unserer Abreise erstellt habe.  Es ist ein schoenes Gefühl, das erreicht zu haben was man sich vorgenommen hat. Unterwegs mussten wir einige Änderungen vornehmen, Ulan Bataar konnten wir nur per Flugzeug und LKW erreichen und die lange Fahrt durch Sibirien rund um China nach Vladivostok haben wir abgekürzt, indem wir direkt durch China gefahren sind. Unsere Hauptziele haben wir aber alle erreicht:

Der Pamir Highway war ein Abenteuer für sich, noch nie war ich auf einer derartigen Höhe unterwegs und wir wussten nicht ob wir dabei gesundheitliche Probleme bekommen. Dank der guten medizinischen Vorbereitung von You Song kam es aber kaum dazu. Die Strassenverhältnisse waren besonders über die hohen Pässe abenteuerlich, aber letztendlich zu bewältigen.

Die Mongolei war unser Hauptziel. Voll Enthusiasmus sind wir aus Russland über Tashanta eingereist, wurden aber bald auf den Boden der Tatsachen gestellt. Mit einem leichten Enduro-Motorrad und wenig Gepäck ist die Strecke nach Ulan Bataar sicher zu schaffen, wenn auch aussergewöhnlich anstrengend. Mit unserer schweren BMW, zu zweit und mit hoher Beladung erwies sich die Westmongolei als zu schwierig. Besonders die langen Strecken in tiefem Sand waren unmöglich zu befahren, ohne dauernd zu stürzen. Von Ulan Bataar zur chinesischen Grenze waren es trotzdem unvergessliche Eindrücke durch die Wüste Gobi und die ersten zwei Tage ueber etwa dreihundert Kilometer durch die West-Mongolei werden uns auch immer in Erinnerung bleiben.

Korea ist die Draufgabe. Wenn wir auch durch China huckepack mit dem Minibus fahren mussten, so waren wir doch froh ueber die Erholung. Allein die Prozedur des Gepäckauf- und Entladens jeden Tag ging uns schon kräftig auf die Nerven, das fiel nun fuer ein paar Tage weg. Wir sind jetzt bei unseren Freunden in Ilsan und warten auf das Motorrad, das in ein paar Tagen ankommen soll. Dann werden wir einige Freunde mit der BMW besuchen und natürlich dem Kukkiwon einen offiziellen Besuch abstatten. Schliesslich liegt noch die Aufgabe vor uns, das Motorrad wieder zurueck nach Wien zu verschiffen, dabei hilft uns unsere koreanische Transportfirma aus Wien.

Bis zu unserer Abreise aus Seoul werden wir diesen Blog noch einige Male updaten und ein endgültiges Resümee ziehen. Also: es ist noch nicht vorbei, bleibt uns treu und schaut wieder rein!

China mon Amour

Am Morgen fahre ich mit unserem Guide Herrn Zhang zum Zollgebäude um das Motorrad abzuholen. Im Hinterkopf rechne ich immer noch mit irgendwelchen Problemen beim Verzollen – aber nix da. Unser chinesisches Reisebüro in Deutschland mit dem wir immer in Kontakt stehen hat ganze Arbeit geleistet. Nach etwa zwanzig Minuten kommt Herr Zhang heraus und sagt „Let’s go.“ Das war’s, noch ein kurzer Stopp vor dem letzten Tor und schon fahren wir Richtung Hotel. Ich bin also auch ein paar Kilometer in China mit dem Motorrad unterwegs – ohne chinesischem Führerschein und Zulassung.

Am Nachmittag kommt dann unser Minibus und wir verfrachten die BMW hinein. Das geht einfacher als gedacht, im Bus wurden hinten ein paar Sitzreihen entfernt und über eine kurze mobile Rampe schieben wir das Bike hinein. Noch mit einem langen Seil richtig verzurrt und fertig für die Abfahrt am nächsten Morgen.

Für die Fahrt nach Tianjin sind dreizehn Stunden veranschlagt, wir schaffen es aber in zehn. Von der Grenze weg geht es erst durch die Innere Mongolei, dann weiter Richtung Beijing. Auf der chinesischen Seite ist die Wüste viel mehr „entwickelt“, es gibt mehr Anzeichen von Bebauung und Bewässerung und fallweise Industrie. Kurz nach Erenhot kommen wir durch den „Dinosaurierpark“, einige Dutzend lebensgroße Saurierfiguren stehen in der Wüste verteilt. Sieht gruselig aus.

Dann ändert sich die Landschaft, es kommen Felder und es wird grün und hügelig. Kurz vor Beijing fahren wir durch die Berge bei Badaling, wo ein Stück der rekonstruierten Großen Mauer steht. Vor einigen Jahren waren wir schon dort, diesmal fahren wir nur vorbei. Wir nehmen die Ringstraße Nr. 6 rund um Beijing herum und der Verkehr nimmt zu. Auf der anderen Seite von Beijing fahren wir weiter nach Süden zum Hafen von Tianjin. Wir liefern die BMW bei der Frachtfirma ab, die wird eine Kiste darum bauen für die Überfahrt nach Korea. Einer unserer großen Ortlieb-Säcke und die Helme gehen da auch hinein, sodass wir beim Flug kein Übergepäck haben.

Anschliessend fahren wir zu unserem Hotel – das ist wieder ausgezeichnet – und verabschieden unseren Guide. Das Taxi morgen zum Flughafen ist bestellt und wir genießen ein Abendessen im Hotelrestaurant. Ich kann immer noch nicht glauben wie problemlos der Transport durch China war, ein Hoch auf unser Reisebüro, das alles von Deutschland aus organisiert hat: Frau Jinan Guo von www.selbstfahrerreisen.com!

Im Bewusstsein unsere lange Reise fast abgeschlossen zu haben schlafen wir so gut wie schon lange nicht.

Adieu Dschingis Khan, Welcome Jackie Chan

Der Grenzübertritt nach China gestaltet sich wider Erwarten völlig problemlos. Die Zöllner am ersten Tor bekommen zwar große Augen als wir mit der BMW anrollen, aber nach einigen Minuten Wartezeit und ein paar Rückfragen am Funkgerät sind sie die Freundlichkeit in Person. Sie tragen unsere schweren Taschen durch alle Schleusen, dann warten wir kurz im Polizeibüro und schon kommt unser chinesischer Guide. Wir werden an der langen Schlange der Einreisenden vorbeigeführt, dann hole ich das Motorrad und fahre auf die andere Seite der Zollabfertigung. Wieder läuft ein Zöllner voraus und öffnet alle Schranken. Ein Uniformierter ueberwindet sich, greift an den Gasgriff und laesst den Moor zweimal aufheulen. er sieht dabei aus wie ein Zehnjaehriger unter dem Weihnachtsbaum. Der Guide organisiert ein Sammeltaxi und gemeinsam mit gezählten vierzehn Chinesen und ihrem Gepäck fahren wir übereinander geschlichtet die kurze Strecke zum Hotel.

Das Motorrad bleibt bis morgen noch beim Zollamt. Wenn die Papiere fertig sind können wir es dann abholen und verladen.

Das Hotel ist erstklassig und wir haben fast zwei Tage Zeit um unser Gepäck umzupacken und unnötige Dinge auszusortieren. Wir werden ja wieder nach Korea vorausfliegen und die BMW dann vom Hafen abholen wenn sie ankommt. Wann genau das sein wird erfahren wir dann übermorgen abends, wenn wir das Motorrad bei der Frachtfirma in Tianjin abgeben. Momentan geht alles fast zu gut, ich bin schon ganz nervös wann endlich die Probleme kommen.

Gobi Desert

Wir fahren los. Der Wetterbericht hat am Morgen Regen vorausgesagt und tatsächlich fallen drei Tropfen auf den Tank der BMW als wir aufpacken. Das war aber auch schon alles, wir fahren Richtung Sonnenschein und gegen Mittag wird es ziemlich warm. Meteorologen halt.

Zehn Uhr: Wüste. Elf Uhr: Wüste. Zwölf Uhr: Sand und Steine. Ein Uhr: mehr Sand und weniger Steine, gottseidank alles neben der Straße. Die führt mitten durch die Wüste Gobi, bestens asphaltiert und öfters schnurgerade bis zum Horizont.

Wieder liegen eine Menge Rinderkadaver neben der Straße, anscheinend verdurstet oder sonstwie umgekommen. Ganz selten ist ein Hirte bei den Herden, die vollkommen zerstreut durch die Gegend ziehen. Es ist sowieso unklar, was die überhaupt hier fressen, denn außer ein paar grünen Halmen gibt es nur – siehe oben – Sand und Steine. Wahrscheinlich machen sie es so wie die Ziegen unseres mongolischen Ziegenhirten: am Morgen ziehen sie alleine los und am Abend kommen sie von selber wieder heim.

Von Zeit zu Zeit sehen wir weit entfernt in der Wüste Zelte – der Fachmann sagt „Ger“ dazu; nichts zu danken – daneben steht oft ein kleines Motorrad. Heutzutage ist es ja einfacher, Vorräte oder Wasser dorthin zu bringen, aber ein oder zwei Generationen früher war das wohl anders. Als wir das Motorrad vor unserem Flug nach Ulan Bataar bei den Eltern unserer Bekannten abstellen konnten wir einen Blick in deren Ger werfen. Sah sehr gemütlich aus, allerdings kann man die Kinder dort nicht in die Ecke stellen lassen wenn sie schlimm sind. Wahrscheinlich kommen sie dann in den Ziegenstall.

Relativ früh kommen wir nach Sainschand und landen im Lux Hotel. Das ist sehr gut und wir schauen am Nachmittag wieder Fussball-WM. Bis zur Grenze sind es nur mehr zirka zweihundert Kilometer und wir müssen erst in drei Tagen vormittags dort sein. Vor der Grenze werden wir daher nochmal zwei Tage Pause machen.

On the Road Again

Heute fahren wir weiter. Vor uns liegen sechshundert Kilometer durch die Wüste Gobi – aber auf Asphaltstraße. Es ist Samstag und halb Ulan Bataar fährt nach Süden zum Dschingis Khan Reiterstandbild oder zum Schildkrötenfelsen. Deshalb staut es sich auch die ersten vierzig Kilometer. Dann sind wir aber fast alleine auf der Straße zur chinesischen Grenze. Schön langsam treten die Wiesen und Hügel zurück und machen der steinigen Wüste Gobi platz. Obwohl es Mitte Juni ist und die Sonne scheint ist es durch den Fahrtwind angenehm kühl. Erstaunlich viele tote Rinder liegen neben der Straße, zum Teil schon arg verwest. Hie und da sehen wir Schaf- oder Rinderherden aber meist streckt sich die Straße bis zum Horizont oder verschwindet hinter Hügeln in der Ferne.

Am frühen Nachmittag haben wir mehr als zweihundert Kilometer geschafft und wir beginnen uns nach einer Unterkunft umzusehen. Wir haben noch drei Tage Zeit bis wir an der Grenze abgeholt werden und wollen nicht zu früh dort sein. In Tschoir werden wir fündig, in einer Gruppe von mehrstöckigen neuen Wohnhäusern ist ein kleines Hotel

. Der Fernsehabend ist auch gerettet, es ist Fussball-WM und heute spielt Frankreich gegen Australien und Argentinien gegen Island. Das dritte Spiel beginnt erst um Mitternacht, aber da träumen wir schon von der Fahrt durch die Wüste Gobi am nächsten Tag.

Sightseeing Modus

Es ist Mittwoch. Heute kriegen wir unser Visum. Um halb vier holt uns der Taxifahrer unseres Vertrauens vom Hotel ab. Den Weg zur chinesischen Botschaft kennen wir schon, pünktlich um vier Uhr öffnet sich die eiserne Pforte. Es sind nicht viele Leute da, sollte also schnell gehen. Denkste. Die Chinesen schaffen es, auch noch in die Abholprozedur Wartezeiten einzubauen. Aber schließlich haben wir unsere Pässe wieder und es klebt auch in jedem ein sieben Tage Visum. Sollte sich also bis zur Fähre nach Korea ausgehen.

Wir wollen zurück zum Hotel fahren, aber unser Taxifahrer bietet uns an zum russisch- mongolischen Freundschaftsdenkmal auf den Zaizan-Hügel zu fahren. Gemacht, da wollten wir ohnehin noch hin. Unterwegs fällt mir ein, dass wir uns auch den Bogd Khan Palast anschauen könnten. Den nehmen wir auch noch mit.

Hier wohnte der letzte mongolische König bis zur Umwandlung in die mongolische Volksrepublik. Der Sommerpalast ist Großteils ein buddhistischer Tempel, der Winterpalast daneben ist im europäischen Stil erbaut. Im Königspalast gibt es ein interessantes Museum, die Anlage ist nicht überrestauriert und wirkt so sehr authentisch. Wir erfahren viel über die Geschichte der Mongolei und über den mongolischen Buddhismus.

Gestern haben wir schon das Gandan Kloster in der Nähe unseres Hotels besucht. Es liegt – eigentlich untypisch – mitten in der Stadt und besteht aus alten und auch neu gebauten Hallen.

Dann geht es auf den Zaisan. Das letzte Stück zum Denkmal führt über eine lange Steintreppe bergauf. Unser Taxifahrer bleibt unten und wir keuchen hinauf. Oben hat man einen wunderbaren Rundblick über ganz Ulan Bataar.

Das Denkmal erinnert an die russisch-mongolische Freundschaft und die Hilfe der Russen nach dem zweiten Weltkrieg.

Es ist auch hier anscheinend wieder irgendein Schulabschluss-Feiertag, denn viele Gruppen von festlich gekleideten Jugendlichen sind unterwegs. Wir bedauern die vielen jungen mongolischen Schönheiten, die sich in High Heels die Steinstufen rauf und runter quälen, aber Schönheit muss nun mal leiden. Wir dagegen sind in Sportschuhen unterwegs und senden von hier einen Gruß in die Welt: